Was trennt uns von Gott?
Liebe, Gerechtigkeit und das große Dilemma
Wie kann Gott vollkommen gerecht sein und gleichzeitig schuldigen Menschen vergeben, ohne das Unrecht einfach zu ignorieren? Diese Frage ist ein Schlüsselaspekt dafür, wie die Beziehung zu Gott wieder heil werden kann. Bevor wir uns weiter vorarbeiten, zunächst ein Seitenblick auf das Thema „Sünde“. Das Wort klingt zunächst antiquiert und einschränkend. Vereinfacht gesagt bezeichnet Sünde all das, worin wir Gottes gutem Maßstab für unser Leben nicht entsprechen.
Die Lebensregeln Gottes sind wie Leitplanken. Auf den ersten Blick schränken sie uns ein. Aber Leitplanken können uns davor bewahren, im Straßengraben zu landen oder einen Abhang hinunterzustürzen. Im Regelfall würde niemand auf die Idee kommen, sich auf einer gefährlichen Bergstraße daran zu stören, dass Leitplanken den Wegrand säumen. Lass uns noch mal auf das Wesen Gottes schauen.
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Gott ist Liebe – warum gibt es trotzdem Grenzen?
Gott ist die Liebe. Stell dir mal folgende Situation vor: Du passt auf dein Kind auf, der Kamin verbreitet eine wohlige Wärme. Aber das Glas in der Ofentür ist so heiß, dass man sich böse verletzen würde, wenn man die Hand drauflegt. Dein Kind spielt mit dem Dreirad in der Nähe des Kamins. Nun fährt das Kind geradewegs auf die Ofentür zu.
Grenze oder Liebe?
Was würdest du tun? Wenn du das Kind wirklich liebst, wirst du es von der Gefahrenquelle „Kaminglas“ fernhalten, oder? Vielleicht wirst du vehement ein Verbot aussprechen, in die Nähe dieser Gefahrenstelle zu fahren, weil es einfach zu gefährlich für das Kleinkind ist.
Ist ein solches Verbot ein Akt von Freiheitseinschränkung oder aber ein Gebot der Liebe und des Wohlwollens? Schon auf den ersten Seiten der Bibel begegnet genau dieser Verdacht: Hält Gott dem Menschen vielleicht etwas Gutes vor? In der Geschichte von Adam und Eva sät der Versucher dieses Misstrauen und treibt damit einen Keil in die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Die biblische Botschaft zeichnet jedoch ein anderes Bild: Gott will nicht dein Schlechtes, sondern dein Gutes.
Vielleicht denkst du jetzt: „So weit, so gut, Gott ist Liebe. Wenn ich mal danebentrete, müsste er doch als liebender Gott auch mal ein Auge zudrücken können.“
Das klingt vernünftig, aber du wirst gleich selbst widersprechen. Zunächst einmal entspricht eine solche Vorgehensweise nicht dem Wesen Gottes. Gott ist absolut rein und absolut heilig. In seiner Nähe kann nichts Böses bestehen. Dazu kommt ein anderer Aspekt:
Stell dir vor, Gott würde nicht nur bei dir ein Auge zudrücken, sondern auch bei allen anderen Menschen auf diesem Planeten. Also auch bei Menschen, die anderen schwerstes Unrecht zufügen – durch Missbrauch, Gewalt oder Mord. Oder brechen wir es vielleicht ganz konkret auf deine Situation herunter:
Was wäre, wenn Gott einfach ein Auge zudrückt?
Vielleicht wurdest du selbst schon einmal böse verletzt oder deine Frau, dein Kind? Vielleicht kämpfst du mit den Spätfolgen, die dich oder deine Angehörigen noch Jahrzehnte später plagen.
Was würdest du denken, wenn Gott sagen würde: „Ach ja, weißt du, ist jetzt auch nicht so schlimm. Ich drücke mal ein Auge zu. Wir vergessen die Sache einfach. Man muss doch auch mal fünf gerade sein lassen.“
Wäre das der Gott, den du als „gerecht“ empfinden könntest? „Was? Gott soll ein Auge zudrücken? Nein, ich will Gerechtigkeit.“ Vielleicht fliegen dir gerade solche Gedankenfeuerblitze durch den Kopf.
Vielleicht hängt der Schatten von Hass dauerhaft über dir? Fremde Schuld, die zu schwer ist, als dass du sie einfach loslassen könntest? Wenn dich das beschäftigt, könnte diese Themenseite interessant für dich sein: „Wie kann ich vergeben lernen?“.
Wie kann Gott zugleich liebevoll und gerecht sein?
Gott ist beides. Er ist Liebe, und er ist gerecht. Das weißt du vielleicht schon aus der Lerneinheit 3 „Wer und wie ist Gott?“.
Du hast vorhin selbst den Test mit den Geboten gemacht, und wahrscheinlich bist du – wie wir alle – nicht auf 100 von 100 Prozent gekommen. Und damit haben wir ein Problem: Du und ich, wir sind aus uns selbst heraus niemals gut genug für Gott und verdienen völlig zu Recht eine Strafe. Hand aufs Herz:
Mit den Kriterien, nach denen du dich selbst gemessen hast, wie würdest du selbst dein Urteil sprechen? Schuldig oder nicht schuldig? Lass uns in die Bibel schauen:
„Denn der Lohn, den die Sünde ‹ihren Sklaven› zahlt, ist der Tod; das Gnadengeschenk Gottes aber ist das ewige Leben in ‹Verbindung mit› Christus Jesus, unserem Herrn.“
Wie kann Gott zugleich vollkommen gerecht sein und uns trotzdem Liebe und Gnade schenken? Wie kann er Schuld vergeben, ohne sie einfach für bedeutungslos zu erklären? Auf den ersten Blick scheint hier etwas zusammenzukommen, das sich nur schwer gleichzeitig denken lässt: Gott nimmt Schuld und Unrecht vollkommen ernst – und zugleich liebt er den schuldigen Menschen und will ihm Gnade schenken. Genau darin liegt das große Dilemma dieser Lektion.
Jetzt denkst du vielleicht: „Ja, aber ich kann mich anstrengen. Ich muss doch einfach nur besser werden.“ Ist prinzipiell kein schlechter Vorsatz, aber er wird dich leider nicht zum Ziel führen. Was auch immer wir tun, wie sehr wir uns auch anstrengen:
Warum können wir das Problem nicht selbst lösen?
Wir erreichen Gottes Maßstab aus eigener Kraft nicht. Bei dieser Treppe werden wir aus eigener Kraft niemals oben ankommen. Und selbst wenn du vom heutigen Tag an alles richtig machen würdest, würde das die vergangene Schuld nicht aufheben.
Und genau an diesem scheinbar unlösbaren Punkt beginnt die hoffnungsvolle Botschaft des christlichen Glaubens. Ihre Schlüsselperson ist Jesus Christus, Gottes Sohn. Warum ausgerechnet er dieses Dilemma lösen kann, schauen wir uns in der nächsten Lektion an. Bereit?
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